Vorbereitungen

Da der geplante Urlaub im Oktober ausfällt, überlegen wir kurzer Hand den Urlaub vorzuverlegen, auf die kommende Woche (KW 38). Diese Woche haben die Wetterexperten als Sommerrückkehrwoche angekündigt und nicht nur vom Wetter, sondern auch von den Terminen passt es perfekt.

Michas Urlaub ist genehmigt und so stöbere ich abends auf diversen Plattformen nach Ferienwohnungen im Harz, da wir vorhaben im Ostharz auf Stempeljagd zu gehen. Das was mich anspricht ist aber entweder zu teuer oder ausgebucht, im schlimmsten Fall beides.

Ich gehe parallel im Kopf bereits die Alternativen durch, die uns bleiben, bis mir plötzlich ein Bild eines schnuckeligen Bauwagens angezeigt wird. Ein Klick auf den Button verrät mir: er ist noch frei, juhu. Kurze Rücksprache mit Micha, ein paar E-Mails später, ist der Bauwagen in Cattenstedt, rund 45 Minuten von Wolfenbüttel entfernt, für die nächsten 5 Tage unser neues Zuhause.

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Vorfreude und Gepäcklimit

Die Vorfreude ist groß, denn wir haben noch nie in einem Bauwagen geschlafen. Im Zuge des Minimalismus-Gedanken aber irgendwie passend für uns. Die Woche bis zum Urlaub vergeht schnell und der Sonntag unserer Abfahrt naht.

Wir haben soweit gepackt und hoffe, dass wir nichts vergessen haben. Allerdings wäre das in diesem Fall ja nicht so schlimm, mal abgesehen vom unnötigen Ressourcenverbrauch. Wir könnten kurz nach Hause fahren und es holen.

Als Micha ins Wohnzimmer kommt und das Gepäck sieht trifft ihn fast der Schlag. Er fragt wie lange wir vorhaben zu bleiben? Okay ja gut, er hat schon Recht, es sieht aus als würden wir direkt einziehen wollen.
Aber ist das nicht immer so? Ob du nun 5 Wochen fährst oder eine Woche, Grundausstattung wie Zahnbürste, Wanderausrüstung, Verpflegung, Unterhaltung wie Bücher, Puzzles, Klamotten brauchst du für eine Woche, genauso wie für fünf Wochen (bis auf Schlüppis und Socken natürlich, davon gerne mehr :-)).

Egal das muss jetzt mit, alles wieder auspacken und reduzieren kommt nicht in Frage. Das ist eben die Gefahr von Ferienhäusern und der Anfahrt mit dem eigenen Wagen. Da gibt nicht die Kofferwaage das Limit vor, wie beim Fliegen, sondern die Wagengröße.
Micha verstaut alles im Auto und unser Gepäcklimit ist erreicht. Gut, dass wir kein großes Auto haben, sondern einen spritsparenden Mittelklassewagen.

Abfahrt und abchecken

Los geht´s, kurze Anreise von knapp einer dreiviertel Stunde sind wir da. Wie schön, wenn das Packen länger dauert als die Anfahrt.
Wir werden von einer freundlichen und offenen Vermieterin empfangen, die uns erzählt wie viel Liebe Ihr Mann in den Ausbau des Bauwagens gesteckt hat. Das merkt man sofort. Nach Ankommen und Erkunden, verliebe ich mich direkt in den wunderschön gestalteten Bauwagen, in dem jedes Detail durchdacht ist.

Minimalismus pur, wir haben alles was wir brauchen an einem Ort, Kochnische mit Spülbecken, Doppelbett, Couch, Esstisch mit 3 Stühlen, TV und Radio und ausreichend Staufächer und Licht in allen Stimmungsvariationen, von dimmend bis ausleuchtend. Bis auf die Dusche und Toilette, die 200 Meter entfernt sind, was aber nicht schlimm ist, wie wir finden, ist alles an einem Ort vorzufinden.

Wir haben neben dem Bauwagen eine Biotoilette, so dass wir es besonders nachts bequem haben und nicht die 200 Meter durchs Dunkle tappen müssen.
Der 20l Wassertank, der mit dem Spülbecken verbunden ist, macht das Wassersparen leicht. Warum? Weil Bequemlichkeit oft über die Vernunft siegt und wir eher bereit sind Wasser zu sparen als dauernd den Tank im 200 Meter entfernten Bad (was ja nicht wirklich weit ist) wieder aufzufüllen. Der Mensch ist eben bequem, sonst hätte er sich auch gar nicht weiterentwickelt, siehe Fernbedienung, Einweggeschirr usw…

Urlaubsfeeling und Bauwagenliebe

Wenn auch nur kurz entfernt, erwartet uns hier in Cattenstedt, nahe Blankenburg, eine andere Vegetation, was unser Urlaubsfeeling noch stärker werden lässt. Der Bauwagens befindet sich auf einer großen Wiese neben Apfelbäumen in Feldrandlage, von hier aus können wir direkt loswandern, ein Traum. Von unserer Terrasse können wir sogar ein Stück der Teufelsmauer sehen, welche auch eines unserer Wanderziele werden soll.

Im meinem Kopf rattert es, wie und wo könnten wir solch einen Bauwagen in unser Leben integrieren? Ich könnte mir das gut als Ruhe-Oase vorstellen, einen Ort der Auszeit im Alltag, einfach ab rein und lesen oder schreiben oder oder oder.
Mit der Denke bin ich wohl nicht alleine. Beim Stöbern im Gästebuch entdeckt Micha folgenden Eintrag: Vielen Dank für das Erlebnis in diesem wunderbaren Bauwagen, jetzt darf ich mir von meiner Frau stündlich anhören” ich will auch so einen”.
Wir müssen lachen, Micha eher etwas gequält wie ich finde, weil er wahrscheinlich vermutet, das ihn das gleiche Schicksal ereilt.

Auspacken und Ankommen

Wir brauchen nicht auspacken, es ist kein Platz für unseren Gepäckberg. Daher lassen wir alles was wir nicht brauchen im Auto. Der Rest wird in jede freie Ecke, die sich uns bietet, verstaut. Und was soll ich sagen, es geht.

Da mir persönlich das Essen sehr sehr wichtig ist und die Tageslaune damit auch steht oder fällt, habe ich vorsorglich alles (für mich) Notwendige (Nudeln und Tomatensoße) eingepackt. Darüber hinaus noch unseren Kühlschrankinhalt und einen Einkauf, da ich keine Lust hatte im Urlaub unsere Zeit in einem Einkaufsmarkt zu verbringen.

Was auf den ersten Blick clever erscheint, wie ich finde, ist auf den zweiten Blick eher kontraproduktiv. 35 Grad Außentemperatur und ein halb so großer Kühlschrank wie zuhause bieten nicht das passende Ambiente für kühlbedürftige Lebensmittel. Zum Glück haben wir ordentlich Hunger und unsere Kühltasche mit Akkus mitgebracht.
Alles verstaut sitzen wir nun entspannt auf unserer kleinen Terrasse umrahmt von Koniferen und genießen unser neues Zuhause auf Zeit. Ich mit verliebten Blick auf den Bauwagen, Micha noch in der Findungsphase, lautet unsere Devise an diesem ersten Abend erst mal ankommen, bevor die Wandertouren beginnen.

Die Vorteile eines Urlaubs um die Ecke:

  1. Das Packen dauert länger als die Anreise
  2. Kurze Anfahrtswege, daher ressourcensparend
  3. Vergessene Utensilien kann man eben schnell holen…
  4. …was man nicht tut, wenn man noch mehr Ressourcen sparen möchte
  5. Freunde und Familie können zu Besuch kommen, wenn diese in der Nähe wohnen, Betonung liegt auf KÖNNEN
  6. Stempeljagd mit dem heimischen Stempelheft
  7. Geld wechseln und fremde Sprache lernen ist nicht notwendig
  8. Der Druck sich alles anschauen zu müssen, entfällt. Man kann ja auch am Wochenende im Alltag mal eben hinfahren
  9. Wetterbedingt ist es mittlerweile so warm wie in den südlichen Ländern. Ich konnte keinen Unterschied zwischen Kreta, Kroatien und Cattenstedt feststellen- und das ist kein Scherz!!!
  10. Kennlernen der eigenen Umgebung – warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Wie oft verschieben wir das Naheliegende auf später, dabei wissen wir gar nicht, ob und wie lange es ein später gibt.

Nachteile:

Was für die einen die Vorteile sind, sind für die anderen die Nachteile. Welche das sind, weißt du vermutlich selbst am Besten 🙂


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